von Reinhard Kupich
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21. August 2017
Der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia) ist eine alte Heilpflanze, die bei Unruhezuständen, Einschlafproblemen und depressiven Verstimmungen empfohlen wird. Außerdem kann sie bei Bauchbeschwerden wie nervösem Reizmagen, Blähungen, nervösen Darmbeschwerden und dem sogenannten Roehmheld-Syndrom helfen. Letzteres bezeichnet Beschwerden, die durch Gasansammlungen in Magen und Darm verursacht werden, also zum Beispiel Atemprobleme, Druck und Schmerzen in der Brust oder Herzbeschwerden. Zu den wirksamen Inhaltsstoffen im Lavendel zählen das ätherische Öl (mit Linalylacetat, Linaool etc.) und die Gerbstoffe in den Blüten. Insgesamt wurden für Lavendel folgende Wirkungen beschrieben: zentral dämpfend, beruhigend, angstlösend und stimmungsaufhellend blähungstreibend (karminativ) nervenschützend (neuroprotektiv) krampflösend (antikonvulsiv) keimwidrig (antimikrobiell) Darüber hinaus werden Lavendel manchmal noch weitere Heilkräfte zugesprochen. So gibt es zum Beispiel Hinweise, dass Lavendelöl zusammen mit dem Öl anderer Heilpflanzen äußerlich angewendet bei Kreisrundem Haarausfall (Alopecia areata) helfen kann. Wie wird Lavendel angewendet? Arzneilich verwendet werden die vom Stängel abgestreiften, getrockneten Blüten (Lavandulae flos) und das daraus isolierte ätherische Öl ("Lavendelöl", Lavandulae aetheroleum). Beim Zerreiben der Blüten wird dieses Öl aus den Drüsenschuppen der Blüten freigesetzt und verbreitet seinen aromatischen Duft. Bei nervösen Beschwerden, Unruhe, Ängsten, Schlafstörungen und Verdauungsbeschwerden können Sie den Lavendel innerlich als Teezubereitung anwenden. Dazu übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel der getrockneten Blüten mit 150 Milliliter heißem (nicht kochendem!) Wasser, lassen den Aufguss fünf bis zehn Minuten abgedeckt ziehen und seihen die Pflanzenteile dann ab. Sie können mehrmals täglich eine solche Tasse warm trinken. Für Kinder zwischen vier und zehn Jahren bereiten Sie die Tasse Lavendel-Tee bitte nur mit einem Gramm der Arzneidroge zu. Lavendel-Blüten werden auch zusammen mit anderen Heilpflanzen als Teemischung angeboten. Sinnvoll ist zum Beispiel die Kombinationen mit Baldrian (bei Unruhezuständen, depressiver Verstimmung, Schlafstörungen etc.) oder mit Kümmel, Anis oder Fenchel (bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen). Zur innerlichen Anwendung sind auch Fertigpräparate erhältlich, zum Beispiel Lavendel-Tabletten oder -Weichkapseln mit dem ätherischen Öl. Die Präparate enthalten oft auch noch andere Heilpflanzen (wie Baldrian, Passionsblume etc.). Erwachsene und Jugendliche können auch das reine Lavendelöl innerlich anwenden (ein bis vier Tropfen auf einem Stück Würfelzucker bis zu dreimal täglich). Ein beruhigendes Vollbad mit Lavendel kann ebenfalls hilfreich sein. Als Badezusatz übergießen Sie 100 Gramm Lavendelblüten mit zwei Liter heißem Wasser, lassen den Sud fünf Minuten ziehen, seihen dann ab und geben ihn ins 37 bis 38 Grad warme Badewasser. Bei kleinen Kindern mit Einschlafproblemen reicht es manchmal schon, in der Nähe des Bettes ein Lavendelsträußchen oder Lavendelkissen (getrocknete Lavendelblüten in einem Baumwollsäckchen) zu positionieren. Welche Nebenwirkungen kann Lavendel auslösen? Wenn das Lavendelöl innerlich angewendet wird, kann es zu vorübergehendem Aufstoßen oder Übelkeit oder Verstopfung führen. Bei Anwendungen auf der Haut treten manchmal allergische Hautreaktionen auf. Was Sie bei der Anwendung von Lavendel beachten sollten Bei Säuglingen und im Bereich der Augen sollte Lavendelöl niemals angewendet werden. Nehmen Sie kein Lavendel-Vollbad bei offenen Wunden, Hautentzündungen oder -erkrankungen sowie bei Fieber , Kreislaufbeschwerden und Herzschwäche ( Herzinsuffizienz ). Generell gilt: Vor der Anwendung von ätherischen Ölen bei Säuglingen und Kleinkindern sowie in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie zuerst vorsichtshalber einen Arzt oder Apotheker um Rat fragen. Auch vor der innerlichen Anwendung ätherische Öle sollten Sie zuerst Rücksprache mit einem erfahrenen Therapeuten halten. Wenden Sie Lavendel und entsprechende Zubereitungen nicht an, wenn Sie allergisch auf die Heilpflanze reagieren. Seien Sie auch vorsichtig mit der gleichzeitigen Einnahme von Beruhigungsmitteln. In jedem Fall sollten Sie mit Ihrem Arzt, Heilpraktiker oder Apotheker die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten (auch frei verkäuflichen) und Heilpflanzen im Vorfeld besprechen.